Vielen Menschen sitzen in einer Veranstaltungshalle für e-Sport.
Lifestyle

E-Sport: Kurzlebiger Trend oder realer Sport?

Lifestyle

E-Sport: Kurzlebiger Trend oder realer Sport?

20.05.2019
20.05.2019

Vor dem Computer sitzen und Fußball spielen – ist das schon Sport? E-Sport ist ein weltweit wachsendes Phänomen, das immer mehr Spieler begeistert. Aus der Nische ist längst ein millionenschweres Geschäft geworden. Doch nicht alle beobachten diese Entwicklung mit Begeisterung.

Das erfahren Sie hier:

  • Wie der VfL Wolfsburg junge „FIFA“-Sportler zu Profis macht
  • Wieso E-Sport wirklich Sport ist
  • Welche digitalen Sportarten die meisten Fans haben
  • Warum E-Games teilweise anstrengender sind als physische Wettkämpfe

Als Junge wollte Timo Siep Profifußballer werden – wie so viele in seinem Alter. Doch ein Armbruch setzte der Karriere als Berufssportler ein vorzeitiges Ende. Dass der VfL Wolfsburg den heute 21-jährigen Kölner 2016 dennoch unter Vertrag nahm, liegt deshalb nicht an seinem sportlichen Talent auf dem Rasen. Vielmehr zählt Timo Siep neben Benedikt Saltzer zu den ersten deutschen E-Sportlern, die für einen Fußballverein antreten.

Seit 2015 engagiert sich der VfL Wolfsburg im E-Sport und nahm mit Benedikt Saltzer den deutschlandweit ersten E-Sport-Profi überhaupt unter Vertrag. Seither kicken die beiden Profi-Gamer regelmäßig sowohl vor der Konsole als auch im virtuellen Stadion im grünen-weißen Trikot. Mit der „Wolves E-Academy“ hat der VfL Wolfsburg 2018 zudem eine Kaderschmiede ins Leben gerufen, die gezielt den Nachwuchs im E-Sport-Bereich fördert und junge „FIFA“-Spieler zu Profis ausbildet.

 

„FIFA“-Sportler Benedikt Saltzer und Timo Siep stehen im Vfl-Wolfsburg-Stadion.
„FIFA“-Sportler im Kader des VfL Wolfsburg: Benedikt Saltzer (l.) und Timo Siep.

Was ist E-Sport überhaupt?

In Deutschland hat der elektronische Sport einen schweren Stand. Während der Berufsweg zum E-Sport-Profi im asiatischen Raum mittlerweile nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gefördert wird, ist man sich hierzulande weiterhin uneins, als was E-Sport zu betrachten ist: als Zeitvertreib oder echter Sport. Der „Deutsche Olympische Sportbund“ (DOSB) etwa erkennt E-Sport als Sportart nicht an. Bislang sehen überhaupt nur wenige Sport- und Fußballvereine im E-Sport eine Chance, Jugendliche und Heranwachsende wieder mehr für analoge Sportarten zu begeistern. Zudem fehlt es an Studien, die belegen, dass sich Fans des virtuellen Fußballs auch gerne selbst auf dem Sportplatz austoben. Doch die Affinität ist sicherlich gegeben.

Ende 2017 gründete sich mit dem „eSport-Bund Deutschland“ (ESBD) ein eingetragener Verein, der sich als Fachsportverband proaktiv für die Belange des elektronischen Sports einsetzt. Der „ESBD“ versteht sich selbst als Schnittstelle zwischen den Parteien und Ansprechpartner für Politik und Verwaltung sowie für Sport- und Dachverbände. Für den „ESBD“ steht fest, dass „eSport einen festen Platz in der deutschen Sportgesellschaft verdient und dort auch seine Berechtigung hat“, wie es auf der Homepage heißt.

Unter E-Sport, auch eGames genannt, versteht man gemeinhin den sportlichen Wettkampf zwischen zwei oder mehreren menschlichen Teilnehmern, ausgetragen am Computer oder einer Spielekonsole. Im Unterschied zum echten Sport, etwa dem Fußball, müssen sich die E-Sportler dabei nicht zwangsläufig auf dem Spielfeld gegenüberstehen bzw. -sitzen. Über das Internet können sie problemlos an Spielen und Turnieren teilnehmen und sich so mit den besten „FIFA“-Spielern weltweit messen. Doch auch lokale ausgetragene Turniere (zum Beispiel in Form sogenannter LAN-Parties) finden wachsenden Zulauf und stoßen auch in der Breite auf immer mehr Anklang.

E-Sport ist mehr als ein Spiel

Inzwischen läuft E-Sport sogar im Fernsehen

Teilweise berichten schon Sportsender im klassischen TV über die neue Form des sportlichen Wettkampfs oder übertragen sie sogar live. Seit Ende Januar 2019 ist mit „eSPORTS1“ der erste Sender im deutschsprachigen Raum live, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit „Events sowie Highlight-Sendungen und eigenproduzierten Magazinen“ rund um eGames aufwarten will.

Weil E-Sport nicht gleich E-Sport ist, gibt es auch hier verschiedene digitale Sportarten, in denen sich die E-Athleten gegenübertreten. In Deutschland ist es vor allem „FIFA“, das hierzulande auch auf internationalen Niveau gespielt wird. Doch auch Rennspiele oder Echtzeit-Strategiespiele werden längst professionell gespielt. „F1“ etwa, das offizielle Computerspiel zur „Formel 1“, kürt jedes Jahr einen Motorsportchampion. Gefahren wird hier zwar am Bildschirm, dennoch steuern die E-Sportler auch hier ihre virtuellen Rennwagen – ganz dem Vorbild verpflichtet – mit Lenkrad und Pedal.

Die „Formel E“ geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Rennsimulation „Ghost Racing Game“ ermöglicht es Fans der Elektroserie, bei echten Formel-E-Rennen mitzufahren. Mithilfe live übertragener Telemetrie- und GPS-Daten können sie sich in Echtzeit mit den realen Fahrern auf der Strecke messen.

Ist E-Sport nun Sport oder nicht?

Dass E-Sport in Deutschland bislang keine gültige Sportdisziplin ist, liegt unter anderem an den Genres, die vertreten sind. Neben den bereits erwähnten Sportsimulationen gehören auch Ego-Shooter, wie „Overwatch“, zu beliebten Spielen in der E-Sport-Szene. Also Computerspiele, in den virtuelle Figuren auf andere schießen – ein Argument, das Kritiker gerne ins Feld führen. Darüber hinaus bemängeln traditionsbewusste Sportverbände die vermeintlich fehlende körperliche Komponente. Doch wie der „ESBD“ konstatiert, sei „die sportartbestimmende motorische Aktivität durch die Bedienung der Eingabegeräte“ durchaus gegeben. Zumal – ein Gegenargument der Befürworter – Schach ebenfalls als Sport gelte. In die gleiche Argumentation fällt übrigens auch die eigenmotorische Aktivität beim Schießen und Motorsport.

An der „Sporthochschule Köln“ beschäftigt E-Sport seit Jahren die Forschung. Dort kam man zu dem Ergebnis, dass „die Belastung durch die eigenmotorische Aktivität im eSport über die von anderen Sportarten hinausgeht.“ So läge das Stresslevel der Spieler etwa im vergleichbaren Bereich zum Motorsport. Während Politik, Verbände und die Games-Branche also noch darüber debattieren, ob E-Sport nun Sport ist oder nicht, spielen die Pro-Gamer derweil längst um Sponsorings und um Millionen US-Dollar Preisgeld – ganz wie die realen Vorbilder.

Sponsoring, hohe Preisgelder und die Karriere danach

Denn parallel zu der Entwicklung des E-Sports hat eine Professionalisierung des Trends stattgefunden. Mit der „Electronic Sports League“ (ESL) hat sich bereits eine Liga etabliert, die Millionen Teams und Gamer auf der ganzen Welt versammelt und sich dem Thema eGames professionell widmet. Der Diskurs um Gleichstellung und Anerkennung von E-Sports als Sport ist hier längst beantwortet.

Und die beiden „FIFA“-Profis Timo Siep und Benedikt Saltzer? Auch sie können mittlerweile von ihren E-Sport-Erfolgen leben. Dafür trainieren die Spieler täglich mehrere Stunden. Bewegung bekommen sie dennoch mehr als genug. Benedikt etwa spielt nebenher noch Fußball im Verein. Für die Zeit nach ihrer Profikarriere haben sie, wie echte Fußballspieler auch, ebenfalls bereits Pläne geschmiedet. Benedikt will Lehrer für Physik und Sport werden, Timo ins Sport-Management einsteigen, mit Fokus – wie könnte es anders sein – auf E-Sports. Für sie gibt es längst keinen Unterschied mehr zwischen realem Sport und virtuellem.

Jetzt anmelden und der Zeit voraus sein

Holen Sie sich regelmäßige Updates zu den Themen ID.3, Registrierung und Elektromobilität.

Your browser is outdated!

Please get a decent browser here or there